![]() |
![]() |
![]() |
|
Ernährung von Papageien
Glaubt man amerikanischen Studien, dann sterben 95% aller gehaltenen Papageien in den ersten 10 Jahren. Falsche Haltung, Pflege, Hygiene und Ernährung werden als Grund angegeben. Über letzteres soll in diesem Artikel eingegangen werden, wobei ich nur die größeren und häufig gehaltenen Papageien berücksichtige. Nahrungsspezialisten –wie zum Beispiel Loris- werden hier nicht berücksichtigt.
Die meisten Papageien werden auch heute noch vorwiegend mit Sonnenblumenkernen ernährt. Hauptursache hierfür sind die zumeist schlecht zusammengestellten Papageienfuttermischungen, die dem Halter im Handel angeboten werden. Diese bestehen zum überwiegenden Teil aus Sonnenblumenkernen. Dies entbindet jedoch den Halter nicht davon, sich selber über eine vernünftige Ernährung seiner Pflegliche zu informieren. Würde er dies tun, wüsste er, dass diese Ernährung nicht geeignet ist !
Zu beachten ist auch, dass die verschiedenen Papageienarten völlig unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse haben. Würde man Aras und Amazonen zum Beispiel mit der gleichen Futtermischung versorgen, würde die Amazone entweder schnell zu Fett oder der Ara erhält nicht genügend Energie, je nach Zusammensetzung der Futtermischung.
Auch die individuellen Haltebedingungen müssen bei der Ernährung berücksichtigt werden. Ein Papagei, der überwiegend im Käfig gehalten wird benötigt weniger Energie als zum Beispiel ein Vogel der gleichen Art, der tagsüber viel Freiflug nutzen kann. Würde man beide Vögel gleich ernähren, bekäme der Käfigvogel sicher bald Gewichtsprobleme, der Vogel im Freiflug sicher nicht. Papageien, die in Außenvolieren gehalten werden, die viel Raum zum Fliegen haben und den wechselten Aussentemperaturen ausgesetzt sind, benötigen zwangsläufig mehr Energie um ihre Körperwärme aufrecht erhalten zu können.
Alleinfutter gibt es nicht !
Die Kennzeichnung „Alleinfutter“ ist nur zulässig, wenn dieses alle Nährstoffe in der für die Tierart ausreichenden Zusammensetzung bietet. Oben erwähnte Sachverhalte verdeutlichen, dass es kein Alleinfutter für Papageien geben kann. Für den Papageienhalter gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten zu füttern: eine Ernährung auf Körner-, Pellet- oder Extrudatbasis. Erfolg und Nutzen hängen vornehmlich von der Kombination mit anderen Nahrungsmittel ab. Fehlernährung entsteht nämlich nicht nur durch einen Mangel bestimmter Nährstoffe, sondern auch durch ihren Überfluss. Verfüttert man zum Beispiel eine Saatenmischung mit 8% Sonnenblumenanteil in so großer Menge, dass der Papagei seinen Tagesbedarf komplett mit Sonnenblumen decken kann, wird es zwangsläufig zu Mangelerscheinungen bzw. zur Verfettung kommen. Pellets und Extrudate sind meistens vitaminisiert und enthalten unter normalen Umständen auch genügend Kalzium, so dass eine zusätzliche Gabe von Ergänzungsmittel wie z. B. Vitaminpräparate zu einem Überangebot an bestimmten Nahrungsbestandteilen führen. Dies ist für Papageien ebenso schädlich wie eine Unterversorgung.
Für ausgewogene Ernährung sorgen.
Wie kann der Halter eine ausgewogene Ernährung gewährleisten ? Erstens sollte er die Bedürfnisse der von ihm gepflegten Art kennen, zweitens sollte er niemals den Nahrungsvorlieben des Vogels nachgeben. Letzteres ist bestimmt leichter gesagt als getan und die meisten Halter „schmeißen zu früh die Flinte ins Korn“. Hartnäckigkeit ist hier also gefragt, auch wenn sich der Erfolg erst nach Wochen oder sogar erst nach mehreren Monaten einstellt. Grundsätzlich gilt hier, dass ein junger Vogel sehr schnell an ein breites Spektrum von Futtermittel gewöhnt werden kann und dies mit zunehmenden Alter immer schwieriger wird.
Dabei brauchen alle Papageienarten tägliche frische Früchte sowie Gemüse und Grünfutter, da ein Körnerfutter allein nicht ausreichend Vitamine für sie enthält. Einige Körner enthalten nicht genügend Aminosäuren (Bausteine, aus denen Proteine zusammen gestellt sind), wie beispielsweise Methionin und Lysin. Deswegen sollten wir Papageien dazu ermuntern, sich an eine qualitativ hochwertige Samenmischung zu gewöhnen, welche möglichst ein breites Spektrum an Saaten enthält um ein Mangel an Aminosäuren zu verhindern.
Eine alternative zur Saatenmischung als Grundversorgung bieten die auch hierzulande vermehrt eingesetzten und recht hygienischen Fertigformulierungen, die nach Gewöhnung etliche Vorteile bieten können. Man unterscheidet hier zwischen Pellets (=Presslinge) und Extrudaten (=aufgeschäumte, eben extrudierte Futterbröckchen). Pellets wurden erstmals 1969 an der Universität von Kalifornien eingesetzt und es wird mit ihnen sehr erfolgreich in den USA gearbeitet. Hauptbestandteil von Pellets sind verschiedene Getreide-, Saaten- und Nusssorten, welche als Griess und Mehl mit den unterschiedlichsten Nahrungsergänzungsmittel (zum Beispiel Vitamine, Mineralien, Aminosäuren, Kräuter, Algen und vieles mehr) vermischt werden und dann mit Hilfe von Druck wieder in eine für Papageien geeignete Form gebracht werden. Extrudate für Papageien gibt es seit Ende der achtziger Jahre. Ihr Einsatz ist umstritten, da diese im Gegensatz zu echten Pellets keine groben Bestandteile enthalten und nur technisch aufgeschlossene Stärke, welche es in der Natur gar nicht gibt und die offensichtlich immer wieder zu Problemen im Magen und Darmkanal führen. Zu dem wird dem Papageienhalter durch Zugabe von künstlichen Farb-, Geschmacks- und fruchtigen Aromastoffen vorgegaukelt, er müsste kein Frischobst mehr verfüttern.
Grundversorgung muss stimmen !
Letztendlich spielt es keine Rolle für welche Grundversorgung man sich entscheidet. Ob Pellets oder eine qualitativ hochwertige Samenmischung in Verbindung mit einem Vitaminpräparat, beide sollten nur 65% der täglichen Nahrung ausmachen und auf die jeweilige Papageienart abgestimmt sein. Mittlerweile bieten einige Hersteller artenspezifische Futtermittel an, auf die der Halter zurückgreifen kann.
Artengerecht füttern !
Es ist erstaunlich, wie viele mangelhaft ernährte Kakadus, Amazonen und Rotsteißpapageien es in Deutschland gibt, da gerade diese Arten relativ leicht von einer abwechslungsreichen Ernährung zu überzeugen sind. Eine Samenmischung mit wenig fettreichen Saaten und viel Obst, Gemüse und Grünfutter, ab und an ein wenig Magerquark, Eifutter und Snacks sorgen hier für genügend Abwechslung. Graupapageien sind da von einem ganz anderen Schlag. Ihre Grundernährung kann ruhig etwas fetthaltiger sein, leider bevorzugen diese jedoch überwiegend Sonnenblumenkerne, was Zwangsläufig zu Kalziummangel führt. Hier muss also rationiert und möglichst mehrmals täglich gefüttert werden. Sollte ein Graupapagei mit einer Samenmischung gefüttert werden, so ist die Zugabe eines Kalzium/Vitamin D3-Präparates unverzichtbar.
Für Aras sind Futtermischungen mit Nüssen bestens geeignet, da diese mehr Energiegehalt brauchen. Ganze Nüsse in Reformhausqualität kann man fast unbegrenzt geben, man sollte jedoch darauf achten, das genügend Obst, Gemüse und Grünfutter aufgenommen wird. Zusätzlich bietet es sich an, bei Aras und Graupapageien ab und an Oliven- und Nussöle übers Obst oder unter dem Magerquark zu mischen, da diese sehr wertvolle Fettsäuren enthalten.
Bei Vögeln, die selbst über Monate hinweg die Aufnahme von Obst und Gemüse verweigern, hilft manchmal ein Spieß aus rostfreiem Edelstahl, auf den man die verschiedenen Sorten aufsteckt. Selbst Obst und Gemüse welches normalerweise aus dem Napf geworfen wird, weckt als Spielzeug oft das Interesse und wird probiert. Oder man bietet das Obst und Gemüse in schnabelgroßen Stücken als Cocktail an. Oft hilft es auch, wenn der Pfleger im Beisein des Papageien an den gesunden Bissen herumknabbert. Gelingt es nicht, seinen Papagei an die gesunde Ernährung zu gewöhnen, bietet sich die Gabe von 100% Frucht- und Gemüsesäften an. Eine genaue Kontrolle der Saftaufnahme ist jedoch notwendig. Ist der Papagei erst einmal an Säfte gewöhnt, lässt er sich zu einem späteren Zeitpunkt ja vielleicht doch zur Aufnahme von anderen Nahrungsmitteln überzeugen.
Beachtet der Papageienhalter obige Ausführungen, wird er sicher jahrzehntelang Freude an seinen gefiederten Pflegling haben. Leider können an dieser Stelle nicht noch weitere Ausführungen zur Qualitätskontrolle und gesundheitliche Schäden durch verdorbenes Futter, sowie über artgerechte Haltung und Pflege vorgenommen werden. Dies würde leicht den Umfang eines Buches annehmen. Der Papageienhalter ist also aufgefordert sich weiterhin zu informieren und seine Haltung immer wieder zu hinterfragen.
Literaturnachweis: Die Ernährung der Papageien und Sittiche, 2000, Arndt-Verlag Dr. Petra Wolf und Prof. Kamphues, „Saatmischung = Vollwertkost für Papageien“ Papageien 3/2001 Dr. Stephan Dreyer, “Pellets und Extrudate”, Papageien 8-9/2001 Rosmary Low, „Zur Ernährung von großen Papageien“ Papageien 1/2002
|